Malagueta-Music.com

Our website requires Flash Playerv.6.0.65.
We enjoy to present you a little Flash pics slideshow about artists we promote in this content.

V.A.
Ozeanien
"Pacific Hotel" Océania
 
Baden Powell
(Brasilien)
"O Universo Musical" Universal
 
Baden Powell
Brasilien
"Lembranças" Universal
 
Simona Barbera
Sizilien
"Mirto" Heaven & Earth
 
Miúcha
Brasilien
"Compositores" Pygmalion
 
Boubacar Traoré
Mali
"Je chanterai pour toi" Mélodie
 
Les Tambours de Brazza
Kongo
"Tandala"
 
Simentera
Kap Verde
"Tr’adictional" Mélodie
 
Moses I
Jamaika
"More than a Dream" Next Music
 
Kora Jazz Trio
Westafrika
"Kora Jazz Trio" Mélodie

0 | 10

Home > Promotion > Archiv 2003 > Various Artists
Various Artists

"Was die Wüste schön macht, ist, dass sie irgendwo einen Brunnen verbirgt" - unweigerlich fühlt man sich an jene berühmten Worte von Antoine de Saint-Exupéry erinnert, wenn man sie vor sich sieht, die Bilder aus Essakane, nordöstlich der legendären malischen Stadt Timbuktu. Scharen von hochgewachsenen Kamelreitern in feinem blauen Tuch, Frauen, angetan mit reich verziertem Leder- und Silberschmuck, formen einen weiten Halbkreis. Hie und da erhebt sich ein hellgrüner Akazienbaum zwischen den Dünen, aus den Zelten dringen spontane Sessions mit Gesang und Tanz, wird Lyrik in der Sprache Tamashek gelesen. 2000 Afrikaner, viele von ihnen Tuareg-Nomaden, andere aus dem Volk der Peul, der Songhai, oder der Bambara aus dem Süden, sowie 350 Europäer und Amerikaner plaudern in einem Dutzend Zungen durcheinander. Als Malis Kulturminister, der berühmte Filmemacher Cheikh Oumar Sissoko die Bühne erklimmt und Oumou Sangaré die Landeshymne anstimmt, ist das wohl magischste Musikfestival seit Woodstock eröffnet. Für drei Tage und Nächte wird Essakane zum reichen und unerschöpflichen Brunnen, aus dem die Klänge Malis, Nigers, Mauretaniens und die von Gästen aus anderen Kulturen emporsteigen. Bis weit in die Nacht leuchten zwischen den Zelten Fackeln im Sand und die Sternbilder des klaren Wüstenhimmels funkeln mit den Stars wie Ali Farka Touré und Afel Bocoum um die Wette.

Lange Jahre war der natürliche Rhythmus des Nomadenlebens in der Südsahara aus den Fugen geraten. Dürren in den Siebzigern und Achtzigern hatten die Viehherden der Kel Tamashek, wie sich die Tuareg selbst nennen, dezimiert und ihnen damit die Lebensgrundlage genommen. Hilfe aus dem Ausland wurde von korrupten Politikern kassiert und drang nie zu ihnen vor. Die Wut auf diese Vernachlässigung führte schließlich zu einem fünfjährigen Bürgerkrieg der Tuareg-Rebellen gegen den Süden, bis die malische Regierung 1996 mit einem Friedensvertrag den Aufbau einer neuen Infrastruktur für die "blauen Menschen" garantierte. Nun suchten die Tuareg nach neuen Formen, die Temakannit, ihre traditionellen Nomaden-Zusammenkünfte wieder aufleben zu lassen. Die EFÈS und die Aïtma, Nichtregierungsorgani-sationen der Tuareg, die sich die Entwicklung des Nordens auf die Fahnen geschrieben haben, entwickelten den Plan, die Treffen nicht nur wie bisher für Gruppen aus einem Radius von 500 km zu öffnen, sondern ein kulturelles Spektakel für ganz Mali daraus zu machen, ja, ein Event für die ganze Welt. Europäische Partner für das ehrgeizige Vorhaben fanden sie in der Musikerkommune Lo’Jo und ihrem Manager Philippe Brix aus Angers im Loire-Tal, die seit langem ein offenes Ohr für afrikanische Kultur haben. Auf ihren Globetrotter-Touren konnten die Franzosen Freundschaft mit vielen mali-schen Künstlern schließen und produzierten 1999 gar ihr Album "Bohêmede Cristal" mit afrikanischer Beteiligung vor Ort in Bamako. Im Januar 2001 stellte das malisch-französische Team das erste "Festival Au Désert" nahe Kidal, der äußersten Nordost-Ecke Malis auf die Beine, gefolgt von einem kleineren Treffen an der algerischen Grenze 2002, denn die Vorbereitungen waren durch den 11. September beeinträchtigt worden.

In diesem Jahr schließlich gelang es den - fast ausschließlich ehrenamtlich agierenden - Organisatoren, zu denen nun auch die Macher von Europas größtem Afrika-Festival aus Würzburg und der britische Publizist Andy Morgan gestoßen waren, ein wunderbares, romantisches Fest buchstäblich ins geographische Nichts zu zaubern. Essakane, rund einhundert Kilometer nordöstlich von Timbuktu, wurde zum neuen Standort. Und hier einte sich eine ehemals zerstrittene Nation: Bambara- und Mandinke-Musiker aus dem Süden, für die die Wüste bislang mit Schrecken behafteter Sperrbezirk gewesen war, bewegten sich ohne Furcht unter den stolzen Vertretern der Tuareg-Stämme. Afro-Blueslegende Ali Farka Touré, einer der Headliner, konnte seine Freude über das gelungene Meeting nicht verbergen und strahlte ohne Unterlass. Auf der Bühne, ausgestattet mit modernster Soundtechnik und Licht-Show, die auf Allrad-Cruisern vor Ort geschafft worden war, lösten sich innerhalb der drei Tage sage und schreibe 37 Gruppen ab. Viele Facetten des ungeschliffenen Gitarren-Rock der Tuareg konnten die Gäste bestaunen, allen voran von den Pionieren des Genres, der Band Tinariwen, aber auch ganz traditionelle Seiten der Wüsten-Klangkultur waren zu vernehmen, wie die der majestätischen Frauen von Tartit. Die benachbarten Songhai aus der Region von Timbuktu präsentierten sich mit den Stars Ali Farka Touré und seinem musikalischen Zögling Afel Bocoum. Aus Malis Kapitale Bamako waren der Blueser Lobi Traoré angereist oder etwa die innovative Popband von Adama Yalomba. Wassoulou-Queen Oumou Sangaré gab sich mit einem funky Set die Ehre, ihr Gitarrist Baba Salah stellte seine eigene Band vor. Mauretanien schickte eine Vertretung in Gestalt der Harfenspielerin Aïcha Bint Chighaly. Doch die Signale reichten über die Sahara hinaus: Lo’Jo ließen es sich als Initiatoren nicht nehmen, selbst einen musikalischen Beitrag in den Ring zu werfen und mit Robert Plant schaute gar eine britische Rock-Legende vorbei. Faszinierend aber war — und dies entsprach dem Geist des Festivals am schönsten — wie die Tuareg über Tausende von Kilometern hinweg eine Verwandtschaft mit anderen Wüstensiedlern entdeckten, den Navajo-Natives von Blackfire, mit denen sie über die Festivaltage Tänze und Geschichten austauschten.

Die Begleit-CD versammelt die spannendsten Momente der über 30 Konzertstunden. Gerade die Künstler, die auch in Europa einen herausragenden Status in der Weltmusik errungen haben, präsentieren sich hier so frisch, lebendig und bezwingend, wie man sie auf ihren Studioalben noch nie gehört hat. Und daneben wartet das Tracklisting mit jeder Menge Neuentdeckungen auf, die schließlich ein farbenprächtiges Mosaik saharischer Musikkulturformen. Beim Hören ist die Magie unterm Sternenhimmel von Essakane förmlich zu greifen.

© Malagueta Music Ltd. 2006