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Madera Limpia

"La Corona"
out l here rec
(im Vertrieb von Indigo)
VÖ: 10.10.2008
LC: 09273 - OH 009

Guantánamo ist eine kleine Stadt im Südosten von Kuba. Kaum ein Tourist ist dort anzutreffen. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten, keine Attraktionen, keine schönen Strände – diese, etwa 13 Meilen von der Stadt entfernt, sind unter US-amerikanischer Kontrolle und Standort der militärischen Basis Guantá-namo Bay. Die Häuser im spanischen Kolonialstil verfallen, die Stimmung mutet orientalisch an. Dort scheint die Zeit still zu stehen: Hoffnungen schmelzen in der Nachmittagshitze, die turbulente Vergan-genheit des Landes ist unter einem langen Schatten verborgen. Die Kommunikation mit der restlichen Welt ist schwierig; viele probieren ihr Glück in Havanna oder gehen gleich nach Miami oder Europa, um nie mehr wieder zurück zu kehren.

Das ist die Heimat von Yasel und Gerald, die treibenden Kräfte von Madera Limpia. „Mein Rap ist der Ausdruck von dem, was junge Leute auf Kuba empfinden“, erklärt Yasel, „was sie erleben, was jeden Tag passiert“. Tirando con la cara erzählt von jungen Männern aus ländlichen Regionen, die als Strich-junge in Havanna enden. Zuhause erzählen sie von hübschen Häusern, obwohl sie in Dreckslöchern wohnen. Das dunkle Boca floja spricht ein sehr kubanisches Thema an: Spitzel regen gefährliche Ge-sprächsthemen in ihrer Nachbarschaft an und berichten dann der Polizei. Yasel und Gerald finden ihre Inspiration in ihrem täglichen Leben. En la esquina erzählt die Geschichte der permanenten Jagd nach Statussymbolen, um die Armut zu kompensieren. In Danza mulata sprechen sie über ihre eigenen Erfahrungen im Ausland und über die der Emigranten, die sie dort getroffen haben und die sich nach der Heimat sehnen. Über all dem erhebt sich La Corona mit ihren globalisierten Rhythmen, feiert das Leben und spornt an, die eigene Würde zu bewahren.

Die musikalische Sprache von Madera Limpia wandelt die Liebe zur kubanischen Musik in eine globali-sierte Jugendkultur um. Harte Perkussionen treffen auf melancholische Melodien von El Puro’s tres, hier und da übernimmt eine Tuba den Part des Basses (La lenta), und darüber legt sich der Flow von Yasel und Gerald, der sich mühelos zwischen Rap, Reggae/Dancehall und rootsigem Changui bewegt. „Rap und Reggae spielen gegen den Beat an“, erklärt Gerald, „das kommt vom Changui. Ich versuche, beides in einem Rhythmus zu verschmelzen, denn was dem Changui fehlt, findet man im Hip-Hop.“ Gerald und Yasel haben schwer für ihr neues Album La Corona gekämpft. Sie fanden in der rumäni-schen Filmemacherin Alina Teodorescu – die heute in München lebt - eine Bewunderin, die an sie glaubte, den Dokumentarfilm Paraiso - eine Art Roadmovie über ihr Leben in Guantánamo - drehte und schließlich das Album produzierte. Und sie arbeiteten hart, um diese charakteristische Mischung aus akustischer Tradition und urbanem Latino Sound zu erlangen. Das Ergebnis, La Corona, ist der Beweis, dass das post-Buena-Vista Kuba lebendig ist, höchst tanzbar und gleichzeitig tief in der Tradi-tion der kubanischen Musik verwurzelt.

Im Jahre 2008 ist Guantánamo ein Teil des ausgebrannten Kubas, voller Ängste vor der Zukunft und Hoffnungen aus einer entfernten Vergangenheit. Doch nach zwei Europatourneen sind Yasel und Ge-rald immer noch – oder sogar noch mehr und viel bewusster – von ihrem Leben auf den Straßen ihrer Heimatstadt beeinflusst. Ihr Fazit ist überraschend: Bewahre die Ruhe und gib Deine Würde nie auf. Kämpfe für die Krone (La corona) der Wahrheit und Werte. Und beschütze sie. Das Leben von Madera Limpia im Kuba der heutigen Zeit ist eine Herausforderung, genauso wie sie es in ihrem letzten Song ahnen lassen: „Wenn alles schief geht, ist es nicht, weil das Leben zu Ende gegangen ist, es ist Zeit für einen Neuanfang, steh auf und gehe weiter …“ (El Ruego).

© Malagueta Music Ltd. 2006