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Egschiglen

 "Gereg"
 Heaven & Earth
 (im Vertrieb von harmonia mundi)
 VÖ: 19. Oktober 2007
 Hörbeispiel

 

Gereg, die silberne Ausweistafel aus den Zeiten des Dschingis Khan, hat Egschiglens fünfter CD den Titel gegeben. Wenn der Gereg der Reisepass der Nomaden war, ihr Ausweis, ihr Identitätszeichen, ist dieses Album ein musikalischer Ausweis der Mongolei, ein poetisches Identitätszeichen von Egschiglen. Der silberne Gereg aus dem 13. Jahrhundert, dessen mongolische Quadratschrift erstmals für die Sprachenvielfalt des mongolischen Weltreiches eine einheitliche Notation entwickelte, wirkt wie ein Symbol für die künstlerische Arbeit des Ensembles.

Universell und innovativ ist die Art, in der die Musiker von Egschiglen die überlieferten ‚Identitätszeichen’ ihrer Kultur bearbeiten: „Saran“ Sarangerel Tserevsamba ist nicht nur eine exzellente Instrumentalistin am Hackbrett, sondern auch Perkussionistin und einzige weibliche Stimme des Ensembles. Sie erweist sich als mutige und kreative Musikerin, die immer wieder durch beeindruckende Soli begeistert und die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente und Stimme in den Dienst dieser kammermusikalischen Formation stellt. Die zweite Solo-Stimme ist „Amra“ Amartuwshin Basaandorj, ein charismatischer khöömi Sänger von außergewöhnlicher Stimmkraft und mit erstaunlichem Klangspektrum. Er scheut sich nicht mit jugendlicher Spielfreude selbstbewusst der uralten mongolischen khöömii-Tradition neue musikalische Welten zu öffnen, ohne die eigene Identität aufzugeben. Begleitet werden die beiden Solisten durch die drei Geigen von Egschiglen: „Tume“ Tumenbayar Migdorj an der 1. Morin Khuur, „Tumru“ Tumursaikhan Yanlav an der 2. Morin Khuur und „Ugan“ Uuganbataar Tsend-Ochir an der Ih Khuur, dem mongolischen Bass. Sie bringen virtuos, mit großer Sensibilität die versteckte Sprache der kargen, endlosen Weiten, der immensen leeren Räume mongolischer Landschaften zum Klingen. Sie geben dem Ensemble seinen unverwechselbaren orchestralen Klang in der Tradition der höfischen Musik Dschingis Khans.

Doch nicht nur die sichtbare Topographie der Landschaft bzw. der Natur bestimmt die Musik von Egschiglen. Jahrhundertlang überlebte in der Mongolei trotz Lamaismus, Buddhismus und sowjetischem Einfluss eine animistische Weltsicht, die die Natur magisch verehrt. Jeder Stein, jeder Berg, jedes Gewässer, der Himmel, die Wolken, der Wind hat eine Gottheit und ist von einem Geist beseelt, den man respektieren und günstig stimmen muss und mit dem man kommuniziert. Als ‚rituelles Telefon’ dient die Kunst des traditionellen Obertongesangs, bei dem die Tiere, die Flüsse, das Echo der Berge und der Wind imitiert werden. Und darin sind alle Musiker der Gruppe wahre Meister.

Egschiglen haben sich gegen eine rein museale oder folkloristische Wiedergabe der traditionellen Musik entschieden und bearbeiten den ‚kreativen Steinbruch’ mongolischer Klänge, Rhythmen und Rituale mit größter Virtuosität aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts: ihr Gereg trägt wie eine neue Schrift auf einem Palimpsest alles Vorangegangene in sich. Das Vergangene wird zeitgenössisch, das Regionale wird universal – mit diesem Reisepass gelangt man in jeden Winkel der Welt.

Egschiglen sind Gewinner der „creole Bayern 2007 - Preis für Weltmusik aus Bayern“

© Malagueta Music Ltd. 2006